Friedmar Lohöfener

Friedmar Lohöfener

Klavierbaumeister & Produktentwickler

Friedmar Lohöfener

Es ist fantastisch zu sehen, wie jeder unserer Mitarbeiter nach dem perfekten Ergebnis strebt und jeder Künstler ein Produkt bekommt, mit dem er sich ausdrücken kann.

Wenn ich morgens an meinen Arbeitsplatz komme, dringe ich in eine Welt ein, die in meinen Augen gar nicht schöner sein könnte. Da sind Werkstoffe unterschiedlichster Art und warten darauf, zu einem einzigartigen Piano zusammengebaut zu werden. Da sind die Kollegen, die mit hingebungsvoller Leidenschaft jedes Einzelstück entweder vorbereiten oder weiter vervollständigen. Da ist die Mechanik und akustische Anlage in jedem dieser Klaviere und Flügel, die einen modularen Klang erzeugen kann, der dann das ganz Besondere ausmacht. Wenn dann der Künstler zu Besuch kommt, sich vor ein Piano setzt und seinen Fingern auf den Tasten einfach freien Lauf lässt, sind das für mich die Momente, die mir sagen: Du lebst hier deinen Traum als Klavierbaumeister und Produktentwickler!

Ich bin in der glücklichen Situation, viele Bereiche hier bei Niendorf abzudecken. Da ist einerseits die Konstruktion, die Produktionsleitung, der Materialeinkauf sowie administrative Tätigkeiten und natürlich das Stimmen und Intonieren. Was mich an dieser Arbeit begeistert, ist, dass ich alles, was ich in der Meisterausbildung gelernt habe, hier umsetzen kann. Hier kann ich konstruieren, eigene Ideen umsetzen und Akzente setzen. Und wer einmal unsere Pianos mit anderen verglichen hat, merkt sofort: Niendorf-Pianos sind anders. Wir arbeiten hier auf einem handwerklich sehr hohen Niveau.

Mein Traum war es, Holzinstrumentenmacher zu werden. Durch reinen Zufall bin ich in einem Praktikum bei Blüthner gelandet und setzte mich dort erstmals mit Klavieren und Flügeln auseinander. Diese vielen verschiedenen Arbeitsschritte im Pianobau haben mir unfassbar viel Freude gemacht. Als Praktikant war ich in der Tischlerei, beim Lackieren, konnte viel mit Lacken ausprobieren, habe den Bereich der Saiten kennengelernt und die ganze Mechanik. Ich durfte sogar einen alten Flügel auseinandernehmen, der zu Reparatur reinkam. Dort habe ich eigentlich erstmals gemerkt, dass der Flügel- und Klavierbau sehr unterschiedliche Arbeitsfelder umfasst und sehr abwechslungsreich ist. Da war für mich klar: Diesen Beruf wollte ich erlernen, der würde bestimmt keine Langeweile aufkommen lassen – deswegen machte ich eine Ausbildung.

Nach fünfeinhalb Jahren als Geselle wollte ich unbedingt tiefer in die Materie einsteigen. Hier habe ich mich vor allem gefragt: Warum sind die Saiten so gerechnet? Warum ist die akustische Anlage so aufgebaut, wie sie aufgebaut ist? Warum ist das bei verschiedenen Instrumenten unterschiedlich? Was hat das für Auswirkungen auf den Klang? Wie kann man die Mechanik berechnen und einpassen?
Damit war die Entscheidung, die Meisterschule besuchen zu wollen, gefallen. Gesagt, getan. Ein angenehmer Nebeneffekt war noch, dass man da auch nochmal tüchtig in die Klavierbaugeschichte geht. Das war irre spannend!

Natürlich geht es mir auch um die Musik selbst. Wie die meisten anderen Menschen höre auch ich Musik so nebenbei, doch ebenso höre ich auch sehr gerne aktiv Musik. Dann habe ich sehr viel Freude daran zu verstehen, wie Musiker spielen. Ich liebe zum Beispiel Jazz. Wenn ein Musiker beispielsweise ein schönes Solo spielt, möchte ich versuchen nachzuvollziehen, wie der musikalische Ablauf ist, welche Ideen dahinterstecken, was er ausdrücken möchte und so weiter. Allgemein finde ich diesen ganzen Schaffensprozess hinter einem Musikstück unglaublich spannend. Wenn man selbst musiziert, hat man eine besondere Feinsinnigkeit für Musikstücke, die ja unterschiedliche Interpretationen haben können. Wenn ich mich mit einem Musikstück beschäftige, genieße ich es sehr, dieses zu interpretieren und die Absicht des Künstlers zu verstehen. Das ist zum einen spannend, kann aber genauso eine ernste oder lustige Note haben.

Ähnlich ist es mit dem Erleben der Menschen an unseren Flügeln und Klavieren. Ich glaube, dass die Instrumente eine Form von Freiheit erwirken können. Was ich öfter höre, ist, dass sie ihren Gedanken freien Lauf lassen und sich ungezwungen fühlen können. Bestimmt lösen sie auch sehr viel Lebensfreude aus – einfach die Freude daran, Musik zu machen, andere damit zu erfreuen oder auch, sich selbst auszudrücken. In der Musik kann man so manche Emotion besser verarbeiten. Im Grunde genommen geht es um Leidenschaft, welche sich über Musik wunderbar ausdrücken lässt. Meine Leidenschaft schwingt für Klaviere und Flügel und verbindet damit auf einzigartige Weise meinen Sinn für Musik.

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